
(ama).
"Es ist normal, verschieden zu sein" - mit diesem Thema gelang es der
Klasse 9 der Grund- und Hauptschule Lauterbach bei der Projektwerkstatt 2003-
dem Schülerwettbewerb der Bundeszentrale für politische Bildung einen
Geldpreis in Höhe von 250 Euro zu gewinnen. Damit war die Abschlussklasse mit
Lehrerin Tanja Martin bereits zum zweiten Mal in Folge unter den Gewinnern des
Wettbewerbs, trotz der riesigen Konkurrenz. Eingesendet wurden über 2300 Werkstücke
von insgesamt rund 55 000 Jugendlichen aus der gesamten Bundesrepublik.
Nachdem
sich die Klasse im Jahr 2001 mit Handywerbungen- und Verträgen beschäftigte,
entschieden sich die Lauterbacher in diesem Jahr ganz bewusst für ein soziales
Thema. Passend zum Europäischen Jahr der Behinderung 2003 griffen die Schülerinnen
und Schüler das Thema "Es ist normal, verschieden zu sein" auf und
gestalteten dazu eine achtseitige Reportage. Rund drei Wochen arbeiteten die
Neuntklässler am Projekt. In dieser Zeit wurde der Klassenverband zu Gunsten
von Kleingruppen aufgelöst. Jedes Team ging auf Entdeckungsreise und arbeitete
sich durch Fachliteratur, Behörden und Institutionen, um vorhandenes Wissen zu
vertiefen. Durch die intensive Beschäftigung mit dem Thema bildeten sich
verschiedene Schwerpunkte heraus. Ein Team stellte im Selbstversuch fest, wie
schwer es mit einer Behinderung sein kann, alltägliche, einfache Aufgaben zu lösen.
Eine andere Gruppe führte mit dem Lauterbacher Hauptamtsleiter Andreas Kaupp
ein Interview und erfuhr einiges über behindertengerechte Einrichtungen
innerhalb der Gemeinde. Schnell wurde klar, dass behinderte Menschen längst
nicht überall am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können, da es immer noch
viele zu überwindende Hürden gibt. Gemeinsam besuchte die Klasse 9 als
weiteren Schwerpunkt die Stiftung St. Franziskus. Dort lernten die Hauptschüler
eine Berufsvorbereitungsklasse mit blinden, sehgeschädigten und gehörlosen
Jugendlichen kennen. In einem ersten Gespräch erfuhren sie, dass Jugendliche
mit Behinderungen ähnliche Wünsche und Träume wie die Schülerinnen und Schüler
aus Lauterbach haben. Interessant war auch die Verständigung mit gehörlosen
Jugendlichen. Nur mit Hilfe des dortigen Schulleiters Udo Neudeck und des
Lehrers Fritz Rudolf gelang es, gegenseitig Fragen zu beantworten, schließlich
beherrschte keiner der Neuntklässler die Gebärdensprache.
Nachdem alle Einzelthemen bearbeitet waren, ging es
im nächsten Schritt darum, eine gemeinsame Reportage zu schreiben. Dies fiel
den Neuntklässlern nicht immer leicht. Immer wieder mussten Texte neu
geschrieben, verbessert und gekürzt werden; damit sie auf eine Seite passten.
Gegenseitig kritisierten sich die Schüler und machten sich auf Fehler oder
Unstimmigkeiten aufmerksam. Gerade in dieser Phase wuchs die Klasse förmlich über
sich hinaus und arbeitete hochmotiviert am Werkstück. Doch bis zum Schluss
glaubte wohl keiner so recht an einen Gewinn, da die Konkurrenz ja sehr groß
war.
Umso
größer war die Freude, als in den vergangenen Tagen die Gewinnbenachrichtigung
der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) ins Haus flatterte. Gleich 250
Euro erhielt die neunte Klasse der GHWRS Lauterbach für ihren Beitrag.
"Die Jury war 134 sehr beeindruckt von eurem kreativen Beitrag," so hieß es im
Schreiben der bpb. Beeindruckt war allerdings nicht nur die Jury mit Mitgliedern
verschiedener Kultusministerien und Lehrkräften, sondern auch Schulleiter Otto
Schoch und Klassenlehrerin Tanja Martin. Beide freuten sich mindestens genauso
über den Preis wie die Neuntklässler selbst. "Es ist einfach eine tolle
Sache, wenn man sieht, wie intensiv Jugendliche an einem Thema arbeiten, wenn
sie sich individuell mit ihren Stärken einbringen können," so Otto Schoch.
Für
Tanja Martin ist klar, dass sie auch künftig wieder am Wettbewerb teilnehmen möchte.
"Die Projektwerkstatt ist einfach eine perfekte Kombination aus
Projektarbeit und der Vermittlung von politischem Wissen auf hohem Niveau.
Spielerisch erfahren Kinder und Jugendliche, dass Politik oft vor der Haustür
beginnt." Mit dem gewonnenen Geld wird die Klasse 9 im April auf
Abschlussfahrt nach Berlin fahren. Dort werden alle ein Stück deutsche
Geschichte und Politik live erleben.